Cadillac

Cadillac CTS-V Coupé im Test

Cadillac CTS-V Coupé: Welcome to Germany (Ein Bericht von Mario-Roman Lambrecht, 25.11.2011)

Es sollte exakt 168 Tage dauern. Es sollten 9.316 km Luftlinie überwunden werden. Es sollte einfach Schicksal sein, dass wir uns endlich wieder gegenüberstanden. Caddy oh Caddy, nun bist Du endlich auf meinem Boden. Und hier gelten meine Regeln.

Soviel Spaß wir auf unserem 2.500 kilometerlangen Roadtrip im sonnigen Kalifornien (PRESTIGE CARS Sommer 2011) auch hatten, es gab da noch ein paar klitzekleine Angelegenheiten zu erledigen.

Wie zum Beispiel das Austesten der manuellen 6-Gang Schaltung. Der Wunsch wurde sogleich erfüllt. Die knackige Schaltung ist ein Genuss. Kurvenräubern macht es damit gleich doppelt so viel Spaß. Gedanklich war ich schon auf dem nahe gelegenen Spreewaldring und liebkoste den Asphalt Runde um Runde mit Deinen Pneus. Klappte leider nicht.

Auf der Autobahn ging es schnell zur Sache, die Drehzahlnadel tanzte Tango, der V8 spielte fröhlich Mundharmonika mit dem fleißigen Kompressor. Ein paar freundliche „Verzieh dich von meiner Spur!“Aufforderungen später ging es mit Vollgas voran. Nun durften sich die heckgetriebenen 564 Pferde (415 kW), die wir in den USA so schwer in Zaum halten konnten, voll ausleben.

Pedal down – graviere die Straße mit Deinen Namen, Baby. Das bereitet ihm keine großartige Mühe, zerren doch satte 747 Nm Drehmoment aus dem 6,2 Liter Kompressor Aggregat, das komplett aus Aluminium gefertigt und somit auch das stärkste Triebwerk in der bisherigen Geschichte von Cadillac ist. Damit geht es in nur vier Sekunden von 0 auf 100.

Die bei den Europäern ach so beliebte 250er Selbstbeschränkung rotzt der V grölend aus den Mittelendrohren heraus und knallt die Tachonadel munter weiter hoch. Der Freigang wird fix mit der Überschreitung der magischen 300 km/h Grenze belohnt. Maximal sind mit dem Schalter 308 km/h drin, der Automat zieht immerhin bis 282 km/h.

Doch Deutschland gleich Neidland. Ein unglaublich freundlich aufgelegter Fahrer setzte sich nicht blinkend auf die linke Spur und ließ uns gleich die brachiale Bremsanlage testen. Passte! Das süffisante Grinsen des Blockierers wurde beim Überholen ignoriert. Voller Freude ging es in kurvigere Gefilde, wo der CTS-V seine grandiose Nürburgring-Abstimmung voll ausleben konnte.

Das Handling ist top, Erinnerungen an wilde Windungen auf dem Mullholand Drive wurden wieder wach. Dafür sorgte die adaptive Servotronic Lenkung, die präzise Einlenkmanöver erlaubt und das Sperrdifferntial an der Hochleistungshinterachse, die nach dem bestmöglichen Grip sucht. Wer dann noch das Magnetic Ride Control System auf Sport stellt und die Elektronik abstellt, hat hier einen kleinen Racer im Luxusgewand vor sich.

Säuft? Säuft! Wurscht? Wurscht! Wer sich einen amerikanischen Traum erfüllen möchte und dazu auch noch ordentlich Krawall unter der Haube platziert hat, sollte diesbezüglich resistent sein. Nach wie vor enttäuschend kommt der Sound rüber, da muss mehr Krach rein. Es darf nicht sein, dass ein AMG V8 einem Ami V8 die Show stiehlt.

Ansonsten hat der Cadillac CTS-V die Testfahrt in Good old Germany mit Pauken und Trompeten bestanden. Schade ist nur, dass dieser Wagen, wie auch einige exzellente Vertreter aus Asien, hierzulande immer ein Exot bleiben wird. Doch wer ihn hat, der weiß, was die Anderen verpasst haben.

Ganz fertig bin ich aber noch nicht mit Dir mein lieber Caddy, schließlich waren wir noch nicht zusammen auf der Rennstrecke. To be continued….

Fotos: Mario-Roman Lambrecht / Web: cadillaceurope.com

Cadillac SRX im Test: Amerikanische Alternative

Luxus, Heckflossen und Elvis: Die Marke Cadillac ist weit bekannt und wird oft verehrt. Nun starten die Amerikaner neu bei uns durch. Mit im Gepäck haben sie den SRX. Was kann das schicke SUV?

Ein echter Hingucker: Das SUV von Cadillac namens SRX
Schwarzenberg (Österreich), 11. März 2011 - Bescheidenheit ist eine Zier: Dieses Motto könnte auch für Cadillac gelten. Nach dem Neustart der US-Kultmarke im Jahr 2010 in Westeuropa möchte man 2011 zwischen 700 und 1.000 Fahrzeuge auf deutschem Boden absetzen. Dazu beitragen soll der SRX, ein SUV im Format des BMW X5, Jeep Grand Cherokee oder Infiniti FX. Wir haben ihn getestet.

Ein Gesicht in der Menge
Schon bei der ersten Begegnung fällt der SRX auf. Sein von Ecken und Kanten geprägtes Design hebt ihn aus der Masse hervor. Während das seitliche Profil leicht nach hinten ansteigt, fällt die Dachlinie in Richtung Heck sanft ab. Das schränkt die Sicht nach hinten deutlich ein, zum Trost ist eine Rückfahrkamera serienmäßig an Bord. Ein echter Hingucker sind dreidimensional ausgeformten Rückleuchten, während die eckige Gestaltung der Scheinwerfer handfeste Vorteile hat. Die obere Kante der Leuchten dient als praktischer Peilsteg. Soviel ist klar: Die neue Formensprache der Marke Cadillac ist nicht jedermanns Fall, aber sie lässt den SRX kompakter wirken, als er ist: Mit einer Länge von 4,85 Meter und einer Breite von 1,91 Meter spielt er bereits in der gehobenen SUV-Liga mit.

Qualität im Blick
Anders als US-Kunden achten deutsche Autokäufer viel stärker auf die im Innenraum verwendeten Materialien und deren Verarbeitung. In dieser Hinsicht muss sich der Cadillac SRX nicht verstecken: Leder auf den Sitzen und am Lenkrad, ein handvernähter Armaturenbrettbezug und dekorative Chromelemente sind stets mit an Bord. Einen hübschen Akzent setzt die analoge Uhr in der Mittelkonsole. Leider ist letztere mit zu vielen Tasten belegt. Drei Drehknöpfe verschärfen die Verwirrung unnötig, denn sie sorgen für akute Verwechslungsgefahr. Das Platzangebot in der ersten Reihe gibt keinen Anlass zur Klage, wenngleich der Seitenhalt der Vordersitze verbesserungswürdig ist. Obacht ist beim hinteren Einstieg geboten, da die abgesenkte Dachlinie für Beulen sorgen kann. Für die Beine der Fondpassagiere steht ausreichend Platz zur Verfügung, opulent ist der Fußraum indes nicht. Da wir gerade von Raum sprechen: Das Gepäckabteil bietet ein Volumen von 537 bis 1.548 Liter, womit der SRX im oberen Mittelfeld seiner Klasse rangiert.

Auf der Jagd nach Drehzahlen
Beim Motor haben SRX-Fans nicht die Qual der Wahl: Im Angebot ist lediglich ein V6-Benziner mit drei Liter Hubraum und 268 PS. Gekoppelt ist das Aggregat an ein Sechsgang-Automatikgetriebe und einen Allradantrieb. Prinzipiell läuft der Sechsender kultiviert, aber Motor und Getriebe liefern sich eine wilde Jagd um das Drehmoment. Untenherum wirkt der gut zwei Tonnen schwere SRX träge, gefühlt wähnt man die Hälfte der 268 PS in der Mittagspause. Bereits bei der kleinsten Berührung des Gaspedals zuckt die Nadel des Drehzahlmessers aber leicht nach oben. Sobald mehr Leistung angefordert wird, schießt die Drehzahl, begleitet von einem kernigen Sound, in die Höhe. Kurz vor dem roten Bereich schaltet die Automatik zwei Gänge hoch und es herrscht Ruhe. Ein Blick ins Datenblatt bringt des Rätsels Lösung: Erst bei 5.100 Touren wird das maximale Drehmoment von 302 Newtonmeter erlegt. Wie es besser geht, zeigt der größere 3,6-Liter mit 311 PS Leistung in der Limousine CTS: Hier stehen bereits bei 3.400 Umdrehungen 374 Newtonmeter zur Verfügung, die Kraftentfaltung verläuft deutlich komfortabler.

Schaukeln war gestern
Zu bemängeln ist der für unseren Geschmack zu indifferente Druckpunkt des Bremspedals. Für gute Laune sorgt hingegen das ausgewogene Fahrwerk. In der von uns getesteten SRX-Topversion "Sport Luxury" weist es eine kontinuierlich variable Dämpfung auf. Es bietet einen guten Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit, allerdings ist das Abrollverhalten eine Spur zu straff. Dennoch gefällt die europäische Abstimmung mit neutral ausgelegter Lenkung und geringer Wankneigung des Aufbaus.

Alles drin, alles dran
Bereits in der Grundversion namens Elegance ist der SRX gut ausgestattet. Für 52.950 Euro sind achtfach elektrisch verstellbare Vordersitze mit Beheizung und Memoryfunktion, eine elektrisch einstellbare Pedalerie, Parkpiepser plus Kamera, eine elektrisch öffnende und schließende Heckklappe, Leder, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und ein Audiosystem mit 40-GB-Festplatte an Bord. Wir empfehlen aber dennoch den Griff zur "Sport Luxury"-Ausstattung. Für 2.000 Euro Aufpreis bietet diese nochmals mehr, unter anderem durch Xenon-Licht, belüftete Vordersitze, eine Sitzheizung im Fond und eine Dreizonen-Klimaautomatik.

Exklusive Fortbewegung
Welche Marken steigen gegen Cadillac in den Ring? Hinsichtlich des SRX könnte man zunächst den BMW X5 xDrive35i nennen, aber dem Kundenkreis der US-Marke geht es in erster Linie um die Lust an der individuellen Note. Eine Alternative zum SRX kommt ebenfalls aus den Staaten: Der neue Jeep Grand Cherokee 3.6 V6 Overland leistet 286 PS und kostet 52.850 Euro. Bei Infiniti gibt es den FX37 GT Automatik mit 320 PS für 56.150 Euro. Demnächst betritt noch ein Kontrahent die Bildfläche: Der Saab 9-4X ist eng mit dem Cadillac SRX verwandt. Wer einen SRX haben will, muss etwas Geduld mitbringen: Da von dem SUV im vergangenen Jahr in den USA 51.000 Stück verkauft wurden, kommt die Produktion kaum nach. Doch das Warten lohnt sich: In unseren Breiten ist ein Cadillac zur Zeit noch exklusiver als ein Aston Martin.

 
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